Ai Weiwei - Never Sorry

Ai Weiwei - Never Sorry (2012), USA
Genre: Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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Ai Weiwei - Never Sorry Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Ai Weiwei ist der prominenteste chinesische Gegenwartskünstler und schärfste Regimekritiker im eigenen Land. Er ist Teil der internationalen Kunstszene und der globalen Popkultur und inspiriert seine Anhänger in aller Welt. Im April 2011 verschwindet Ai Weiwei spurlos – niemand weiß, wo er ist und wie es ihm geht. Weltweit regt sich Protest, die Menschen machen sich stark für ihn und fragen „Wo ist Ai Weiwei?“. Nach drei Monaten ist er plötzlich wieder da. Seit Juni 2011 steht Ai Weiwei unter politischem Hausarrest. Die junge Regisseurin Alison Klayman hat den international gefeierten Künstler und Aktivisten drei Jahre lang begleitet. Sie hat mit langjährigen Wegbegleitern Ai Weiweis gesprochen, mit Künstlern und Autoren, aber auch sehr persönliche Gespräche zwischen Ai Weiwei und seiner Mutter Gao Ying aufgezeichnet und zeigt Ai Weiwei als Vater eines drei-jährigen Sohnes. Ihr Portrait ermöglicht einen einzigartigen Einblick in Ai Weiweis Persönlichkeit, sein Privatleben und sein Schaffen: eine differenzierte Beschreibung des heutigen Chinas zwischen Willkür und Widerstand.

Ai Weiwei, He Yunchang und Ai Lao | mehr Cast & Crew


Ai Weiwei - Never Sorry - Trailer




DVD und Blu-ray | Ai Weiwei - Never Sorry

Blu-ray
Ai Weiwei - Never Sorry Ai Weiwei - Never Sorry
Blu-ray Start:
03.04.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 91 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Ai Weiwei - Never Sorry Ai Weiwei - Never Sorry
DVD Start:
03.04.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 87 min.

Filmkritik Ai Weiwei - Never Sorry

Filmwertung: | 8/10


Das Portrait einer starken Künstlerpersönlichkeit wollte Regisseurin Alison Klayman zum Leben erwecken. 3 Jahre lang begleitete sie den chinesischen Freiheitskämpfer und Künstler Aiweiwei, doch was sie mit dem dabei entstandenen Dokumentarfilm schuf, dürfte über alles hinausgehen, was sie sich je erträumt hat. Nicht nur gelingt ihrem cineastischen Werk die portraitierende Darstellung eines chinesischen Helden, der seitdem das Regime ihn 2011 unter Hausarrest stellte, zum internationalen Sinnbild von Freiheit und aktivistisch-künstlerischer Kommunikation im zeitgenössischen China geworden ist. Darüber hinaus zeichnet die Dokumentation seines Schaffens und Wirkens das zeitnahe Bild einer immer kritischeren, chinesischen Gesellschaft.

Der filmische Zeitzeugencharakter, den "Aiweiwei- Never Sorry" eröffnet, gründet sich nicht alleine auf sorgfältig und fundiert recherchierten Fakten selbst, in erster Linie sollte Klaymans intermediale Materialauswahl die Dokumentation auf das Level der Nachhaltigkeit erheben. So gewinnt der Zuschauer durch externe Interviews und Fernsehberichte, nationale und internationale Nachrichten sowie direkt intermediale Zeitungsauschnitte und Audioaufzeichnungen einen umfassenden Blick auf Aiweiwei und das China des 21. Jahrhunderts, während die momentane Portraitierung des Künstleraktivisten mit der chronologische Darstellung seiner Erlebnisse während Klaymans Dreharbeiten weniger als Hauptaugenmerk, sondern vielmehr als Gesellschaftsspiegel in Kraft tritt. Fotografien von Aiweiweis Kunstarrangements und Orginal-Twitternachrichten stellen währenddessen jenen untrennbaren Bezug zwischen Regimemissständen, Freiheitskampf und kritischer Aktivismuskunst her, welcher Aiweiwei selbst basisch ausmachen dürfte, sinnbildlich aber genauso auf die Modernbewegung des chinesischen Volkes übertragbar scheint. Um die Dokumentation trotz des vielseitigen Aufgebots an externen Materialien zu einem fließenden Ganzen zu binden, erklärt nacheditierter Filmtext die On Screen Geschehnisse und deren Hintergründe, sodass der Zusammenhang zwischen Regimeproblematik und Aiweiweis Wirken auch demjenigen verständlich wird, der weder Ahnung von den vorherrschenden Zuständen in China noch der symbolhaften Person Aiweiweis mitbringt.

Aiweiwei selbst wird im Fokus des Dokumentarwerks nicht einfach als Künstler gezeigt, genauso wenig portraitiert Klayman einen reinen Aktivisten. Die Verschmelzung beider Bereiche wird in Interviews mit Journalisten, Kuratoren, Mitarbeitern und dem Künstleraktivisten selbst als Grundstein zu und Inspirationskraft von Aiweiwei herausgearbeitet.

Trotz oder gerade wegen der tatsächlich umgreifend dargestellten Öffentlichkeitsresonanz auf Aiweiwei lässt sich ein minimales Manko in Klaymans filmischem Werk entdecken: so erreicht den Zuschauer letztlich vor allem das Bild eines heroifizierten Image. Zwar bemüht sich die Dokumentation sichtlich darum, Aiweiweis private Seite weitab von der Öffentlichkeit miteinfließen zu lassen, trotzdessen hat das Publikum nicht unbedingt das Gefühl, Aiweiwei im Filmverlauf tatsächlich kennengelernt zu haben. Letztlich sollte die Darstellung Aiweiweis als etwas anderes als den Helden, den die chinesische und internationale Gesellschaft begründeterweise in ihm sieht, im Laufe einer authentischen und faktennahen Dokumentation aber derart schwierig sein, dass man es Klaymans Film am Ende kaum vorwerfen kann. "I don't need people to worship me." so Aiweiwei selbst gegen Mitte der Dokumentation. Die Miteinbringung jenes Statements sollte doch zumindest Klaymans Mühen aufzeigen, den Künstleraktivisten als authentische Realperson zu vermitteln.

Schließlich rundet ein Schluss, der genauso viel zur Regimekritik aufruft, wie er Optimismus verbreitet, Klaymans Dokumentation würdig und wohl absolut im Sinne der dargestellten Person Aiweiweis ab. So lässt sich "Aiweiwei - Never Sorry" am Ende wohl kaum als etwas anderes beschreiben als eine journalistische Dokumentation wie eine hochinteressante und bewegende Bildungsreise in die Seele der modernen chinesischen Gesellschaft.
by Sima Moussavian

Bilder © DCM