Agnes

Agnes (2015), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Neue Visionen

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Agnes Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Sachbuchautor Walter verliebt sich in die Physikstudentin Agnes, die nicht nur in ihrem Studium den großen Fragen des Lebens nachspürt. Ihre radikale Haltung zum Leben fordert ihn, der sich in seinem unverbindlichen, gemäßigten Leben eingerichtet hat, heraus. Eines Tages macht Agnes einen frappierenden Vorschlag: Walter soll eine Geschichte über ihre gemeinsame Liebe schreiben. Anfänglich ist das ein harmloses Spiel, doch bald schon übernimmt die gemeinsame Geschichte das Kommando und die Frage ist, wer ihr Autor ist. Agnes folgt dem Bild, das Walter aufs Papier bringt und spürt doch bald, dass ihm das Erzählen wichtiger ist als die Erfüllung ihrer Liebe. Denn auf Dauer macht Glück keine guten Geschichten. Als Walter das begreift, sieht er den einzig wahren Schluss der Geschichte vor sich, einen Schluss, der sie ihre Liebe und Agnes das Leben kosten kann.

Odine Johne, Stephan Kampwirth und Sonja Baum | mehr Cast & Crew


Agnes - Trailer




DVD und Blu-ray | Agnes

DVD
Agnes Agnes
DVD Start:
02.12.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 101 min.

Filmkritik Agnes

Filmwertung: | 5/10


Agnes ist die deutsche Verfilmung des gleichnamigen Romans von Peter Stamm aus dem Jahre 1998. Der Streifen, der am 02.06.2016 im Kino erscheint, handelt von einer Romanze eines ungleichen Paares, in der ein erfolgloser Autor auf eine eigenwillige Studentin trifft. Da dem Sprichwort zufolge ja das Leben immer die besten Geschichten schreibt, möchten die beiden aus ihrem Kennenlernen einen Roman verfassen. Agnes SzenenbildIm Verlaufe des Films verschwimmen Realität (ihr tatsächliches Leben) und Fiktion (ihr Buch) dann zunehmend, wobei man als Zuschauer allerdings aus verschiedenen Gründen nicht so richtig mitfiebern will.

Walter heißt der mittelmäßig erfolgreiche Schriftsteller, der sich seine Brötchen inzwischen nur noch mit Sachbüchern verdient, weil ihm für Romane die Ideen fehlen. Auch mit seinem Privatleben kann der Single trotz Liebschaften mit PR-Agentin Louise nicht zufrieden sein. Ihre Beziehung ist frei von Liebe und nur körperlicher Natur. Genauso emotionslos wie die Sachbücher, die ihn offenbar langweilen, verbringt er also sein Leben. Eines Tages wird er in der Bibliothek aber auf eine Studentin aufmerksam und in einer vollgestopften U-Bahn kommen sie ins Gespräch. Im Gegensatz zu ihr wirkt Walter allerdings fast fröhlich und fidel. Denn Agnes (wie die schöne Physikstudentin heißt) ist interesselos, unnahbar und sogar schroff. Das Essen beim spontanen Dinner schmeckt nicht und seine Ansichten über angesprochene Themen wie das Leben und den Tod gefallen ihr nicht. Als Walter schon aufgeben und alleine nach Hause fahren möchte, setzt sich Agnes überraschenderweise zu ihm ins Taxi und nächtigt das erste Mal in seiner Wohnung. Walter und der Zuschauer rätseln gleichzeitig über Agnes und ihr merkwürdiges Verhalten. So fragt er die Studentin bald neugierig, ob sie möglicherweise krank sei, was sie aber verneint.
Agnes Szenenbild Eine Zuneigung zum Autor erlangt Agnes erst, nachdem sie einen seiner Romane aus früherer Zeit durchblättert. Dieser gefällt ihr und solch eine Tiefe hätte sie ihm wohl gar nicht zugetraut. Es überrascht sie, dass Walter keine Romane mehr schreibt und schlägt nach einiger gemeinsamer Zeit vor, er könne doch ihr Kennenlernen niederschreiben. Nach anfänglichen Bedenken beginnt er dann ihre folgende Liebesgeschichte zu Papier zu bringen. Agnes lernt somit auch mehr darüber, wie Außenstehende sie wahrnehmen. Denn so offen wie Walter über ihre schwierige Persönlichkeit schreibt, hat sie wohl noch niemand beurteilt. Aus Spaß wird zunehmend Ernst und beide möchten einen mitreißenden Roman entwickeln. Ob dabei die Wirklichkeit immer die Geschichte diktiert oder etwa doch andersherum, wirft einige Fragen auf: Ist ihre Partnerschaft zum Vorwand für das Buch geworden? Wird eine Person gar von der anderen ausgenutzt?

Dies hätte alles spannend inszeniert werden können, behandelt der Film doch Themen wie das Leben, die Liebe und den Tod. Anstatt mit der Zeit (Psycho-)Thriller-Elemente aufzuweisen, bietet Agnes ein Drama, das Tiefsinnigkeit und Interpretationsmöglichkeiten sucht. Wenn sich einem nach etwa einer Stunde Laufzeit die obigen Fragen stellen und die Handlung - wie im Trailer zu sehen - seinen Knackpunkt erreicht, wird kurz Spannung erzeugt. Diese wird dann aber nicht weiter verfolgt, sondern verirrt sich in wirren Versionen, wie Ratten in einem endlosen Labyrinth. Derweil sehnt man sich dem Ende Ausgang entgegen, denn auf 104 Minuten gesehen, gelingt es dem Film trotz der natürlich wirkenden Sexszenen kaum, den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Agnes Szenenbild Während die Person des Walters bis zum Ende blass bleibt, treffen auf Agnes die unterschiedlichsten Bezeichnungen zu: Sie beginnt als scheues, unschuldiges und gar süßes Mädchen, wird aber aus dem Nichts heraus aufbrausend und scheint überhaupt ziemlich depressiv. Zwischendurch erscheint das Mädchen wieder so naiv, dass man kaum glauben kann, was für eine intelligente Physikstudentin sie ist. Gespielt werden diese beiden Protagonisten von Stephan Kampwirth (zu sehen in Who Am I - Kein System ist sicher sowie verschiedenen deutschen Serien) und Odine Johne (Die Welle). Auch die beiden Schauspieler können den Gesamteindruck nicht bessern. Während Kampwirth seine (zugegeben anspruchslosere) Rolle solide ausfüllt, bringt Johne den komplexen Charakter von Agnes nicht immer natürlich rüber. Auch die berühmte Chemie stimmt zwischen dem Leinwandpärchen nicht. Es wird dem Betrachter nicht verständlich, wie sich diese beiden unterschiedlichen Menschen lieben können. Und weil einem am Ende keiner der beiden mehr sympathisch ist, interessiert man sich nicht einmal mehr für ihre individuellen Filmschicksale.


Fazit:
Agnes ist die Verfilmung der bekannten Schullektüre von Peter Stamm. Die interessante Story kann (zumindest in dieser Ausarbeitung) allerdings nicht als Drehbuch für einen Film herhalten. Denn der Kinostreifen ist nicht halb so aufregend wie der Trailer verspricht und weiß insgesamt kaum zu überzeugen.
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Bilder © Neue Visionen