A War

Krigen (2015), Dänemark
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Kriegsfilm
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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A War Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Kommandant Claus Pedersen (Pilou Asbæk) und seine dänische Einheit sind fern der Heimat in der afghanischen Provinz stationiert. Als die Kompanie ins Kreuzfeuer der Taliban gerät, fordert Pedersen Luftverstärkung an, um das Leben seiner Männer zu retten. Doch zurück in der Heimat muss sich der dreifache Familienvater vor Gericht verantworten, weil bei dem Einsatz unschuldige Zivilisten getötet wurden. Ein zermürbender Prozess beginnt, der ihn auch immer mehr in ein moralisches Dilemma bringt.

Pilou Asbæk, Tuva Novotny und Dar Salim | mehr Cast & Crew


A War - Trailer




DVD und Blu-ray | A War

Blu-ray
A War A War
Blu-ray Start:
18.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
A War A War
DVD Start:
18.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

Filmkritik A War

Filmwertung: | 8/10


Der dänische Oscarkandidat A War trägt einen schlichten Titel. Doch so schlicht der Titel dieses Anti-Kriegsfilms ist, so komplex ist die Thematik, mit der er sich beschäftigt. Der Film thematisiert grob den Einsatz dänischer Soldaten in Afghanistan im Kampf gegen die Taliban. Man sollte hier gleich vorwarnen. Zwar heißt der Film A War und es handelt von Soldaten und deren Kriegseinsatz, doch mit klassischen Kriegsfilmen wie Platoon, Der Soldat James Ryan oder Filme jüngerer Vergangenheit wie Lone Survivor oder American Sniper hat dieser Film eher weniger zu tun. A War SzenenbildAction gibt es hier sehr wenig zu sehen. Vielmehr ist A War ein psychologisches und nervenaufreibendes Drama, der die Intensität, die außerhalb des Kriegsschauplatzes herrscht, zeigt.

A War ist mehr oder minder der dänische American Sniper. Zwar gibt es viele inhaltliche Unterschiede, doch man muss aufgrund des bärtigen Hauptdarstellers, der zugleich Familienvater und Ehemann ist und zurück in seine Heimat kehrt, zwangsläufig an Clint Eastwoods Kriegsfilm denken. Doch viel wichtiger ist: A War ist nicht nur der dänische American Sniper, sondern auch der bessere. Nicht was die Inszenierung der Action angeht, vielmehr setzt sich der für den Auslandsoscar nominierte Film wesentlich differenzierter mit der Kriegsproblematik auseinander. Die Grundgeschichte ist schnell erzählt. Kommandant Claus gerät mit seiner Truppe in einen Hinterhalt und steht unter schwerem Beschuss. Dabei wird ein Soldat schwer verletzt. Um ihn zu retten und Zeit zu verschaffen, trifft Claus eine folgenschwere Entscheidung. Ohne genaue Kenntnis darüber zu haben von welcher Position aus die Taliban-Kämpfer auf seine Soldaten schießen, befiehlt er einen Luftangriff auf ein von ihm benanntes Gebäude. Doch dieser Angriff, der seinem Kollegen das Leben rettete, kostete mehreren Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, das Leben. Angekommen in der Heimat erwartet ihn ein Gerichtsprozess, der nicht nur für ihn eine nervliche Zerreißprobe darstellt.

Bei diesem dänischen Anti-Kriegsfilm spielt das Anti eine wesentlich größere Rolle als das Wort Krieg. Die ethische Schlüsselfrage dieses Filmes lautet: Macht man sich schuldig, wenn man den möglichen Tod von Zivilisten fahrlässig in Kauf nimmt, um eigene Männer zu retten? Es ist höchst brisant wie dieser Film dieses Thema aufgreift und verarbeitet. Er glorifiziert nicht diese Soldaten, sondern stellt sie als einfache und nicht perfekte Männer dar. Patriotismus, wie man ihn aus Hollywood kennt, gibt es hier nicht. Nicht mal dänische Flaggen, geschweige denn das Wort Dänemark wird in diesem Film bedeutsam erwähnt. Vielmehr hat der Film eine recht anti-militärische Haltung und hinterfragt vieles. Auch als Zuschauer stellt man sich bald die Frage, was das kleine Dänemark überhaupt mit dem Konflikt in Afghanistan zu tun hat. Blickt man in die traumatisierten Gesichter der Soldaten, so wird einem die Sinnlosigkeit dieses Einsatzes verstärkt bewusst. A War SzenenbildDenn der Film hinterfragt, wofür eigentlich gekämpft wird. Man will letztlich einfach nur noch lebend nach Hause. Hier wird ebenfalls ein Blick auf die lebensgefährliche Situation der afghanischen Bürger auf dem Land geworfen. Eine weitere Perspektive ist die Sicht von Claus‘ Frau und seinen Kindern. Diese leiden zunehmend unter seiner Abwesenheit und auch als Claus aufgrund des Prozesses nach Dänemark zurückgeschickt wird, entwickelt sich die Situation nicht weniger belastend. Ihm drohen mehrere Jahre Gefängnis, doch dies will seine Frau den Kindern nicht zumuten. Die differenzierte Darstellung überträgt sich ebenfalls auf das Ende des Films. Ob es ein Happy-End ist oder eher nicht, darüber lässt sich streiten. Zu kompliziert sind die Umstände und die allgemeine Problematik. Überhaupt ist in diesem Film die Frage nach Gut oder Böse, richtig oder falsch kaum zu beantworten. Denn je länger man sich diesen Film anschaut und auch wenn man auf die realen Geschehnisse blickt, darf bezweifelt werden, ob ein „Richtig“ in Kriegsentscheidungen existiert. Über diesen Film könnte man noch stundenlang diskutieren und viel analysieren, doch das würde den Rahmen dieser Kritik sprengen. Es sei nur so viel gesagt, dass A War kein Action-Kriegsfilm ist und keine Geschichten über gescheiterte Kriegsmissionen wie in Black Hawk Down oder Lone Survivor erzählt, sondern eine Geschichte über die Konsequenzen und Probleme ist, die solch ein Kriegseinsatz mit sich bringt.

Die Geschichte basiert auf keinen wahren Begebenheiten. Jedoch ist sie wesentlich glaubwürdiger erzählt, als der ein oder andere Film, der tatsächlich eine wahre Geschichte erzählen möchte. Das liegt an vielen verschiedenen Aspekten. Als erstes wäre hier das Szenenbild zu erwähnen. Zugegeben geht der Film mit der Ausstattung was die Szenen im Kriegsgebiet angeht recht sparsam um. Auch ist dieser Film kein Kriegsfilm, der für seine wenigen Action-Sequenzen eine Oscarnominierung für den besten Ton und den besten Schnitt bekommen würde. Doch manchmal ist weniger mehr. Die grundsätzliche Inszenierung ist recht bodenständig und zurückhaltend. So ist der Gerichtssaal nicht so pompös und riesig, wie man ihn in Filmen wie Die Jury o.ä. kennt. A War SzenenbildVielmehr erinnert der kleine Saal an Amtsgerichten hierzulande. Hier wird auch kein Kampf zwischen den Anwälten gezeigt, die einen Einspruch nach dem Anderen durch den Saal rufen. Der Film hat durchgehend einen sehr nüchternen und ruhigen Ton und zeichnet sich durch seine beklemmende Atmosphäre aus. Die Authentizität ist die große Stärke des Films. Diese zeigt sich insbesondere, wenn der Film auf den tristen Alltag seiner Frau Maria und den Kindern blickt. Der Zuschauer bekommt hier ein sehr glaubwürdiges Bild des bitteren Alltags einer Frau zu Gesicht, deren Mann sich im Kriegseinsatz befindet. Wie vorhin erwähnt, blickt der Film auch auf die kritische Situation der Afghanen. Auch hier zeichnet sich die Authentizität aus. Die Darsteller der afghanischen Familie sprechen ebenfalls fließend paschtunisch und wirken mehr wie eine echte Familie aus dem dortigen Kriegsgebiet als Schauspieler. So wirkt das ganze Szenario auf der Kinoleinwand bedrückend echt und zeigt ein grandioses Abbild der Realität.

Zu der glaubwürdigen Inszenierung tragen aber auch alle Darsteller in diesem Film bei. Besonders Tuva Novotny, die Claus‘ Ehefrau Maria spielt, zeigt eine hervorragende Performance. Während sie selber unter der Abwesenheit ihres Mannes immer mehr leidet, muss sie ebenfalls ihre Rolle als Mutter für ihre Kinder jederzeit erfüllen, die ebenfalls nur schwer mit dieser Situation umgehen können. Diesen Stress und diese hohe nervliche Belastung sieht man Tuva Novotny in jeder Sekunde an. Wenn ihr die Tränen kommen und die Kamera ohne Schnitt darauf hält, dann geht dies dem Zuschauer sehr nahe und spricht für eine überzeugende Leistung der schwedischen Schauspielerin. Nicht weniger überzeugend ist Hauptdarsteller Pilou Asbæk, der im Sommer im Ben Hur-Remake die Rolle des Pontius Pilatus übernehmen wird. Besonders in den Szenen im Gericht, ruft Asbæk sein ganzes Schauspielvermögen ab. Seine Unsicherheit, die innere moralische Zerrissenheit über die Frage, ob er richtig handelte oder die Angst vor einem möglichen langen Gefängnisaufenthalt, werden vom dänischen Darsteller sehr nuanciert gespielt. Denn hier muss er ohne große Worte auf dem Platz neben seinem Anwalt überzeugen. Dies gelingt ihm auch, denn hier passt die Mimik im Gesicht, der Blick durch den Gerichtssaal bzw. die Bewegung seiner Augen und seine Gestik in dieser äußerst unangenehmen Situation. A War SzenenbildEine sehr ruhige und zugleich emotionale Performance, bei der der Zuschauer stets hin und hergerissen ist, ob er für ihn Partei ergreifen soll oder nicht. Der Film kratzt sehr stark an der 9-Punkte-Marke, doch stellenweise ist der Film zu nüchtern, zu ruhig und gar zu trocken. Hinzukommt dass die eigentliche Problematik mit dem Gerichtsprozess und dem fatalen Befehl von Claus, der indirekt mehrere Zivilisten auf dem Gewissen hat, erst ab der Mitte des Films beginnt. Hier hätte man evtl. die 1. Hälfte etwas knackiger gestalten können, dafür die 2. Hälfte ein wenig ausführlicher. Somit fehlt das berüchtigte i-Tüpfelchen, damit A War mehr als nur ein sehr guter Film ist.


Fazit:
Der Kauf der Kinokarte lohnt sich, denn A War ist ein interessanter und spannender Film, der sich sehr objektiv mit dem Kriegseinsatz in Afghanistan auseinander setzt. Herausragende Darsteller und eine beängstigend authentische Inszenierung machen A War zu einem sehr guten Anti-Kriegsfilm, der zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Der Film ist Arthouse-Kino, nicht nur für Cineasten, sondern auch für das breite Publikum, der sich die Oscarnominierung redlich verdiente und sich im Vergleich zu Propaganda-Filmen wie London Has Fallen oder 13 Hours, durch eine erwachsene, differenzierte und bodenständige Inszenierung auszeichnet.
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Bilder © StudioCanal