A Perfect Day

A Perfect Day (2015), Spanien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: X Verleih

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A Perfect Day Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Sie arbeiten für die gute Sache. Sie sind ein Team von Mitarbeitern für eine internationale Hilfsorganisation. Der gelassene Mambrú (BENICIO DEL TORO) und der Zyniker B (TIM ROBBINS) haben schon viele dieser Einsätze erlebt. Weder verminte Kühe auf der Straße, Blauhelmsoldaten mit Weisungsbefugnis noch nächtliche Irrfahrten durch schwer zugängliches Gelände können sie aus der Bahn werfen. Als dann aber Sophie (MÉLANIE THIERRY), jung und idealistisch, der Gruppe zugeteilt wird und auch noch Mambrús Ex-Geliebte Katya (OLGA KURYLENKO) auftaucht, die die Arbeit vor Ort überprüfen soll, ist es mit der Gelassenheit vorbei.

Ein scheinbar kleines Problem – eine Leiche muss aus einem Brunnen entfernt werden, um die Wasserversorgung eines Dorfes zu gewährleisten – entwickelt sich zu einer Mission voller Tücken um Zuständigkeiten, politische Machtspiele und sonstige Irrationalitäten, die das Team bei allen Kontroversen mit viel Gefühl und noch mehr Humor zu bewältigen weiß. Ein perfekter Tag eben.


Benicio Del Toro, Tim Robbins und Melanie Thierry | mehr Cast & Crew


A Perfect Day - Trailer


A Perfect Day - Trailer


DVD und Blu-ray | A Perfect Day

Blu-ray
A Perfect Day A Perfect Day
Blu-ray Start:
07.04.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 123 min.
DVD
A Perfect Day A Perfect Day
DVD Start:
07.04.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 119 min.

Filmkritik A Perfect Day

Filmwertung: | 8/10


Mehrere Entwicklungshelfer stehen in einem Kriegsgebiet vor der Herausforderung eine Leiche aus einem tiefen Brunnen zu bergen, um das Wasser zu reinigen und somit wieder eine ausreichende Wasserversorgung zu garantieren. Doch beim 1. Versuch reißt das Seil aufgrund des korpulenten Körpers der Leiche und nun stehen die Mitarbeiter der Hilfsorganisation vor der Aufgabe ein neues Seil zu besorgen.

Als Zuschauer kann man sich zunächst schwer vorstellen, ob eine Suche nach einem Seil in einer größtenteils verlassenen Landschaft wirklich gute Kinounterhaltung bieten kann. Doch A Perfect Day ist letzten Endes ein äußerst unterhaltsamer, kurzweiliger und vor allem humorvoller Spielfilm geworden, der über die gesamte Lauflänge die Balance zwischen schwarzem Humor und der ernsthaften Thematik halten kann und dem Zuschauer eine ganz andere Perspektive auf politische Probleme aufzeigt.

In ein Genre lässt sich A Perfect Day kaum zuordnen. Der Film ist zu vielfältig und facettenreich, um ihn in eine Schublade zu stecken. Man könnte sagen er ist eine Mischung aus Komödie, Road-Movie, Politdrama und Anti-Kriegsfilm.

In Filmen mit einer Kriegsproblematik erlebt man es häufig, dass entweder die Bevölkerung oder meistens die Soldaten im Mittelpunkt der Handlung stehen. Die jedoch äußerst interessante Sicht der Entwicklungshelfer bleibt dem Zuschauer meistens verwehrt. In A Perfect Day wird hier ein Einblick in den Alltag der Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation gewährt. Der Film hat die verschiedensten Hauptcharaktere. Zum einen gibt es den Puerto-Ricaner Mambrú - großartig verkörpert von Benicio del Toro - der große Ruhe und Gelassenheit bei seiner Arbeit an den Tag legt. Zu seinem Team gesellt sich B, ein zynischer, unberechenbarer, aber sehr erfahrener Mitarbeiter, den Tim Robbins sehr glaubwürdig und sympathisch spielt. Des Weiteren gehört die noch unerfahrene, jedoch sehr motivierte und ehrgeizige Sophie - gespielt von der französischen Schauspielerin Mélanie Thierry - zu Mambrús Team. Unterstützung erhalten Sie von Damir, einem Einheimischen, der als Dolmetscher fungiert.

Eine große Stärke des Films ist die Neutralität, welche er in der Handlung beibehält. Diese wird dem Zuschauer schon zu Beginn klar als die Ortsangabe „Irgendwo auf dem Balkan“ eingeblendet wird. Es ist völlig irrelevant wo es stattfindet, ein Schwarz und Weiß bzw. ein Gut und Böse gibt es nicht. Der spanische Regisseur Fernando León de Aranoa verzichtet auf politische Statements, zeigt auf keinen der im militärischen Konflikt involvierten Parteien den Finger, sondern möchte lediglich eine Geschichte erzählen. Hierfür muss man den Regisseur loben, denn es ist heutzutage nicht selten, dass Filme, welche einen politischen Konflikt als Gegenstand haben, für billige Propaganda genutzt werden.

Der Film setzt auf keine große Effekthascherei, enthält keine spektakulären Szenen o.ä., sondern überzeugt mit seinen wunderschönen Landschaftsaufnahmen, ruhigen Kamerafahrten und authentischem Szenenbild. Eine weitere Stärke des Films ist der Humor, der trotz der ernsten Thematik nicht zu kurz kommt. Regisseur de Aranoa wollte den Zuschauer nicht mit unzähligen schlimmen Kriegsbilder konfrontieren, sondern überraschte ihn mit einer ungenierten und lockeren Erzählweise. Schön geschriebene und witzige Dialoge, Charaktere mit denen man sympathisiert und tolle Bilder machen A Perfect Day nicht zu einem perfekten Film, doch zu einem wirklich interessanten Kinoerlebnis. Besonderer Pluspunkte sind insbesondere die Oscar-Preisträger Benicio del Toro (Traffic, Sicario, 21 Gramm) und Tim Robbins (Mystic River, Die Verurteilten), welche ihre Figuren mit ihrer ganzen Schauspielerfahrung authentisch wirken lassen und in jeder Szene, den Zuschauer mit ihrer Präsenz beeindrucken. In der Vergangenheit war es oft der Fall, dass Tim Robbins eher die ruhigeren Typen verkörpert und del Toro hingegen in exzentrische Rollen schlüpft. Hier ist es genau umgekehrt. Mambrú ist der abgeklärte und besonnene, während B mit zynischen Kommentaren und waghalsigen Aktionen den Zuschauer zum Schmunzeln bringt.

Der Kern der Handlung – das Entfernen einer Leiche aus einem Brunnen – dient hier nur als Mittel zum Zweck. Denn der eigentliche Fokus liegt auf dem Alltag der Mitarbeiter und wie problematisch dieser sein kann. Dem Zuschauer wird bewusst, dass man zahlreiche bürokratische Hürden nehmen muss, um solch eine Rettungsaktion genehmigen zu lassen. Das Gebiet ist vermint, Straßen sind mit Tierkadaver blockiert, Soldaten erschweren mittels Absperrungen oftmals die Weiterfahrt. Außerdem wird Mambrús Tag später noch „perfekter“ als seine Ex-Geliebte Katya (Olga Kurylenko) erscheint, die beauftragt wurde, die Arbeit der Entwicklungshelfer vor Ort zu kontrollieren und zu beurteilen.

Einen wirklichen Spannungsbogen oder eine klassische Dramaturgie weist der Film nicht auf. Doch das schadet nicht, denn der Film überzeugt auch so mit seinem einfachen und erheiterten Drehbuch. Der Film versäumt es jedoch in gewissen Szenen dem Zuschauer schonungslos die Folgen und auch die Sinnlosigkeit des Krieges zu zeigen. Der schwarze Humor war zwar nicht fehl am Platz, jedoch hätte man sich in gewissen Situationen im Film eine kompromisslosere Darstellung gewünscht, denn trotz allem darf man nicht außer Acht lassen, dass man sich in einem Kriegsgebiet befindet. So kann man festhalten, dass zwar de Aranoas amüsante Erzähltechnik äußerst unterhaltsam ist, aber etwas mehr Tiefe an ein oder zwei Stellen den Film noch besser gemacht hätte.


Fazit:
Witzig geschriebener, toll gespielter und wunderschön gefilmter Streifen, der den Zuschauer über die 106 Minuten Lauflänge nie langweilt, mit dem optimal getimten schwarzen Humor oft zum Lachen bringt und insgesamt lockere Kinounterhaltung bietet. A Perfect Day versäumt es jedoch an diversen Stellen, dem Zuschauer einen kompromissloseren Blick in das Kriegsgebiet zu gewähren.
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Bilder © X Verleih