A Ghost Story

A Ghost Story (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Fantasy / Romanze / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

-> Trailer anschauen

A Ghost Story Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Es geschieht plötzlich und unerwartet. C (Oscar®-Preisträger Casey Affleck) kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück.
Der Illusion verschrieben, seiner Frau M (Rooney Mara, Oscar®-nominiert) bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in seiner neuen Gestalt losgelöst von jeglicher Zeit existiert. Als passiver Beobachter muss er schmerzlich dabei zusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet.
Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, in denen C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz.


Casey Affleck, Rooney Mara und Will Oldham | mehr Cast & Crew


A Ghost Story - Trailer




Filmkritik A Ghost Story

Filmwertung: | 8/10


Leben, Liebe, Tod, Vergänglichkeit und Vermächtnis – das sind wohl mit die gewichtigsten Themen, mit denen sich Kunst und Kultur schon seit jeher beschäftigen. Selten wurden sie so prägnant und kunstvoll verarbeitet wie von Regisseur David Lowery, der mit seinem nun vierten Spielfilm „A Ghost Story“ eindrucksvoll untermauert, dass er zu den aufsehenerregendsten und originellsten Stimmen des gegenwärtigen Kinos gehört. Der Film wurde als eine Art unabhängiges Randprojekt unmittelbar nach Beendigung seines fabelhaften und magischen Disney-Abenteuers „Elliot, der Drache“ gestartet und pünktlich zum Sundance-Festival vorgestellt. „A Ghost Story“ ist eine Wiedervereinigung von Rooney Mara und Casey Affleck, die bereits in Lowerys lyrisch-meditativem Durchbruch „Ain’t Them Bodies Saints“ ein denkwürdiges Paar bildeten.

A Ghost Story: Rooney Mara und Casey Affleck
A Ghost Story: Rooney Mara und Casey Affleck © Universal Pictures International
„A Ghost Story“ gestaltet sich eigentlich viel mehr wie ein audiovisuelles Gedicht als ein Film im herkömmlichen Sinne. Lowery erforscht hier den tief empfundenen Schmerz der Vergänglichkeit, der Unaufhaltsamkeit der Zeit. Hierfür setzt er ein Paar in den Mittelpunkt, das in einem texanischen Landhaus lebt und durch den plötzlichen Tod des Mannes auseinandergerissen wird. Dieser bleibt jedoch als Geist in ihrem Haus zurück, gefangen an einem Ort, dessen Bewohner sich verändern, in der Zeit umherreisend, auf der Suche nach etwas Unbestimmtem.

Lowery beobachtet zunächst sein von Rooney Mara und Casey Afflecks gespieltes Paar in ihrem häuslichen Lebensumfeld. Das Paar ist spürbar vertraut miteinander, es liebt sich innig, auch wenn manche Meinungsverschiedenheit aufkommt. Präsentiert wird das in dem ungewohnten, fast quadratischen Bildformat 1.33:1, das zudem im Vignettenstil über abgerundete Ecken verfügt. So ist man direkt noch enger an den Figuren, was die Erfahrung dieses Films direkt sehr intim gestaltet, ohne dass man den Eindruck eines ablenkenden Gimmicks erhält.

M (Rooney Mara)
M (Rooney Mara) © Universal Pictures International
Die kontrastarmen Bilder von Andrew Droz Palermo wirken wie dahingehaucht, ganz fragil, so als könnten sie jeden Moment verbleichen. Die lyrisch-meditative Tonalität, die schon Lowerys vorige Filme ausgezeichnet hat, wird hier in nochmal ruhevolleren Bildern eingefangen. Hier dominieren sehr lange Einstellungen und präzise Bildkompositionen mit minimaler Ausstattung, die von jedem Ballast befreit ist und spürbar von asiatischem Kunstkino beeinflusst sind.

Bemerkenswert ist etwa eine ganz lange Einstellung, die Mara und Affleck eng umschlungen nachts im Bett zeigt. Ihre innige, zärtliche Liebe wird hier in einer berührend intimen Momentaufnahme überdeutlich spürbar, die Lowery einfach für sich minutenlang stehen und wirken lässt. Immer wieder küsst sich das müde Paar zögerlich und zärtlich, bis es schließlich langsam einschläft, was Lowery einfach weiter beobachtet. Direkt in der nächsten Einstellung sehen wir eine Totale ihres Landhauses, ein langsamer Schwenk nach rechts offenbart zwei ineinander verkeilte Autowracks. In einem davon sitzt der regungslose Affleck, der ganz offensichtlich ums Leben gekommen ist. Die zarte Fragilität des Lebens wird hier in zwei Einstellungen wahrhaftig und profund auf den Punkt gebracht.

Mara und der Geist ihres verstorbenen Mannes
Mara und der Geist ihres verstorbenen Mannes © Universal Pictures International
Wenig später steht Mara im Leichenschauhaus neben ihrem verstorbenen Mann, den sie noch ein letztes Mal begutachtet, bis sie ihn nach einer Weile zudeckt und den Raum verlässt. Die Kamera bleibt jedoch da und zeigt weiter das statische Bild des Raumes mit dem Leichentisch. Wir hören Schritte und Umgebungsgeräusche, bis sich plötzlich das Leichentuch erhebt. Ab hier wandelt der verstorbene Mann umher, mit dem weißen Tuch bedeckt, das mit zwei Löchern auf Höhe der Augen versehen ist.

Der so archetypisch dargestellte Geist ist fortan an seine alte Behausung gefesselt, wo er seine trauernde Frau machtlos beobachtet. In einer bemerkenswerten Sequenz wird Rooney Mara in einer fünfminütigen Einstellung gezeigt, wie sie unter Tränen einen kompletten Schokokuchen isst, den ihr eine Freundin hinterlassen hat. An dieser Stelle wirkt dieser besondere und hochoriginelle Film dann zum ersten Mal etwas bemüht und fast schon prätentiös, zu sehr wirkt es, als würde Lowery auf sich selbst und bestimmte Ideen aufmerksam machen. Mara gibt hier sichtlich alles und ist die gewohnt starke und furchtlose Präsenz, von der man die Augen nicht nehmen kann. Die Aussage, die Lowery mit dieser symbolstarken, aber wenig subtilen Szene verständlich machen will, hat man jedoch schon früh erkannt.

Der Geist ist allgegenwärtig
Der Geist ist allgegenwärtig © Universal Pictures International
Lowery versucht mit „A Ghost Story“ etwas Allgemeingültiges, für jeden Verständliches zu erschaffen. So baut er seine Figuren nur minimal auf, er vertraut dem subtilen Spiel seiner vertrauten Akteure Bedeutung aufzubauen. Das gelingt auch gut, jedoch fehlt doch ein wenig, um dem Film die ganze emotionale Kraft zu verleihen, die er eigentlich entfalten könnte. Maras Trauerbewältigung währt nur recht kurz, denn bald zieht sie aus und der Geist ihres Mannes bleibt zurück. Bald zieht eine spanischsprachige Familie ein, später ist es eine Partygesellschaft, die zu einem der wenigen sprachhaltigen Momente dieses nahezu wortlosen Films führt. Dort bringt ein philosophisch angehauchter Mann die Runde zum Stillstand, als er über die Themen des Films explizit in einem starken und bedeutungsvollen Monolog sinniert – Vergänglichkeit und Vermächtnis. Zuvor spielt Lowery mit den Spuk-Konventionen des Geisterfilms, der hier nun aus umgekehrter und entmystifizierter Perspektive gezeigt wird.

Später springt „A Ghost Story“ auch in die Zukunft, aber auch in die Vergangenheit vor dem Tod des Mannes, die er nun als Geist erlebt. Das wirkt alles sowohl sehr bedeutungsschwer, als auch überraschend leichtgängig. Lowery versucht hier wenig abstrakt oder ambivalent vorzugehen, er versucht seinen Film nicht mit mehreren Bedeutungsebenen zu belasten. Viel mehr ist „A Ghost Story“ schlichtweg eine meditative Erfahrung, die in ihrer reduzierten Einfachheit eine tiefe Melancholie offenbart, mit der sich jeder identifizieren können sollte. Lowery schifft immer haarscharf an der Grenze zum Prätentiösen vorbei und schafft damit einen mutigen und aufsehenerregenden Film, die bei jedem Zuschauer für andere Reaktionen sorgen wird.


Fazit:
„A Ghost Story“ spricht universelle Themen wie Leben, Liebe, Tod, Vergänglichkeit und Vermächtnis auf hochkreative und tief empfundene Art und Weise an. David Lowery beweist mit seinen lyrischen und meditativen Bildern, dass er zu den interessantesten jungen Filmemachern Amerikas gehört.
by

Bilder © Universal Pictures Intl.