A Beautiful Day

You Were Never Really Here (2017), Großbritannien / Frankreich / USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Mysterie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Constantin Film

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A Beautiful Day Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Ein junges Mädchen wird vermisst. Joe (Joaquin Phoenix), ein brutaler und vom eigenen Leben sowohl gequälter als auch gezeichneter Auftragskiller, startet eine Rettungsmission. Im Sumpf aus Korruption, Macht und Vergeltung entfesselt er einen Sturm der Gewalt. Vielleicht gibt es nach all dem Blutvergießen am Ende auch für Joe ein Erwachen aus seinem gelebten Albtraum….

Joaquin Phoenix, Judith Roberts und Ekaterina Samsonov | mehr Cast & Crew


A Beautiful Day - Trailer




DVD und Blu-ray | A Beautiful Day

Blu-ray
A Beautiful Day A Beautiful Day
Blu-ray Start:
06.09.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 90 min.
DVD
A Beautiful Day A Beautiful Day
DVD Start:
06.09.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 86 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik A Beautiful Day

Filmwertung: | 7/10


Die Schottin Lynne Ramsay gehört mit ihren gerade mal drei Filmen „Ratcatcher“, „Morvern Callar“ und „We Need to Talk About Kevin“ zu den interessantesten Regisseuren der letzten 20 Jahre – Nun kommt mit ihrem erst vierten Werk „A Beautiful Day“ ein weiteres aufsehenerregendes filmisches Kunstwerk dazu. Ausgezeichnet mit dem Drehbuch- und Darstellerpreis für Joaquin Phoenix in Cannes, ist Ramsays Film eine erwartungsgemäß eigenwillige Variation des urbanen Rachethrillers, der mit seiner fragmentarischen und oft abstrakten Inszenierung sicher einiges von seinem Zuschauer abverlangt. Ramsay kreiert ein faszinierendes audiovisuelles und durch und durch filmisches Erlebnis, das immer wieder überrascht und sich nicht erklären, sondern in einprägsamen Bildern gefangen nehmen will.

Joaquin Phoenix als Joe in A BEAUTIFUL DAY
Joaquin Phoenix als Joe in A BEAUTIFUL DAY © Constantin Film Verleih GmbH
Joe (Joaquin Phoenix) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Die ergrauten und etwas ungepflegt wirkenden Haare zum kurzen Zopf gebunden, der Bart struppig und der Körper fleischig und mit Narben jeder Art übersät. In kurzen, immer wieder eingestreuten Erinnerungsfetzen deutet Ramsay an, dass dieser Mann viel Traumata mit sich rum trägt, die seine Seele gepeinigt und nachhaltig vernarbt haben. Aufflackernde Fetzen von eingesperrten asiatischen Mädchen in blauem Licht, gequälte Gesichter in Großaufnahme, ein Fuß im Sand, gleißendes, gelbes Sonnenlicht, Bilder seiner eigenen, von Missbrauch geprägten Kindheit. Die Option, sich das Leben zu nehmen, lauert hinter jeder Ecke. Was es mit diesen kurzen und teilweise wiederkehrenden Einstellungen auf sich hat, muss man sich als Zuschauer selbst erschließen. Es liegt nahe, dass Joe Kriegsveteran ist. Die Bilder von leidenden jungen Mädchen erschließen sich jedenfalls weitestgehend durch den Job, dem Joe heute nachgeht: Er spürt für seine Auftraggeber Vermisste auf, oft sind es dann eben junge Mädchen, die Menschenhändlern zum Opfer fallen und als Sexsklavinnen gehalten werden.

Joes (Joaquin Phoenix) Auftrag: Die junge Nina (Ekaterina Samsonov) retten.
Joes (Joaquin Phoenix) Auftrag: Die junge Nina (Ekaterina Samsonov) retten. © Constantin Film Verleih GmbH
So verhält es sich dann etwa mit Nina Votto (Ekaterina Samsonov), der Tochter von Senator Albert Votto (Alex Manette). Dieser hat Joe beauftragt seine Tochter aufzuspüren, die wohl von reichen Pädophilen als Prostituierte festgehalten und wird. Votto macht unmissverständlich klar, dass Joe unbarmherzig vorgehen soll, denn er ist der Mann fürs Grobe, der brutal sein kann, wenn es sein muss. So begibt sich Joe auf einen seiner vielen Trips in die urbane Unterwelt, einzig bewaffnet mit einem frisch gekauften Hammer…

„A Beautiful Day“ (im Original erinnerungswürdiger „You Were Never Really Here“ betitelt) beginnt mit klarer, kontrollierter Bildsprache und zeigt, wie Joe gerade in Cincinnati einen Auftrag abschließt. Untermalt von Jonny Greenwoods fabelhaften, pulsierend-düsteren Synthie-Klängen (die meilenweit von seinem Oscar-nominierten Werk zu „Der seidene Faden“ entfernt sind), zeigt Ramsay atmosphärische, nächtliche Großstadt-Landschaften. Das ist direkt intensives und packendes Kino, eine stimmungsvolle Synthese aus Bild und Ton, Lichter und Farben, ein cineastisches Hoch, das äquivalent zu Joes erhöhtem Gefühlszustand steht.

Wie lange wird Joe (Joaquin Phoenix) das alles noch ertragen?
Wie lange wird Joe (Joaquin Phoenix) das alles noch ertragen? © Constantin Film Verleih GmbH
Denn diese Episoden stehen in interessantem Kontrast zu Joes profanem Alltag: Dort lebt er nämlich irgendwo in der New Yorker Vorstadt noch bei seiner einsamen und pflegebedürftigen Mutter (Judith Roberts) und hangelt sich gelangweilt durch den Tag, geplagt von schmerzhaften Erinnerungen. Seine Beziehung zu seiner Mutter ist eine fürsorgliche und liebende, hier kommt seine verspielte und zarte Seite zum Vorschein. Wenn er etwa genervt davon ist, wenn seine Mutter zu lange im Bad ist und Sachen aus seiner Ordnung bringt, wirkt er fast schon kindlich. Das inszeniert Ramsay naturalistisch und scharf abgegrenzt zu seinen nächtlichen Aufräumaktionen, bei denen er schlimmen Menschen sehr, sehr weh tut und auch kaltblütig ermordet.

Den Votto-Auftrag inszeniert Ramsay präzise und methodisch, sie seziert Joe brutale und taktische Vorgehensweise auf kühle und formale Art und Weise. So zeigt sie die Infiltration des Bordells fast ausschließlich über die dort installierten Schwarzweiß-Überwachungskameras, während im Hintergrund leise „Angel Baby“ von Rosie & the Originals läuft und vor jeder Attacke ein harter Schnitt gesetzt wird. So entsteht hier ein bewusst desorientierter Stakkato-Rhythmus, der den Gewaltakt meist nicht zeigt, sondern nur das Resultat davon zeigt. Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden, jedoch hat der Auftrag unerwartete Konsequenzen für Joe und die Beteiligten.

Joaquin Phoenix und Ekaterina Samsonov in A BEAUTIFUL DAY.
Joaquin Phoenix und Ekaterina Samsonov in A BEAUTIFUL DAY. © Constantin Film Verleih GmbH
„A Beautiful Day“ ist mehr daran interessiert, einen Blick in den Kopf dieses Mannes zu werfen, in dem Ramsay seine Gefühlszustände filmisch in starken und prägnanten Bildern versucht darzustellen, ohne den Zuschauer an die Hand zu nehmen und sie zu erklären. So ist der angenehm kompakte Film recht wortkarg und durchaus sperrig geraten, wobei es Ramsay immer wieder gelingt, dem Genre neue Facetten abzugewinnen. Immer wenn man eine bestimmte, durch zahlreiche Genrevertreter gewohnte Vorgehensweise erwartet, überrascht Ramsay mit einem anderen Weg, was manche Zuschauer frustrieren könnte. Sie erlaubt keine Befriedigung über die Erfüllung niederer Rachegelüste und erschafft inmitten ihrer ohnehin schon recht abstrakten und impressionistischen Inszenierung auch noch manches wirkungsvolles, surreal-traumartiges Bild. Dennoch: „A Beautiful Day“ ist weitestgehend geradlinig erzählt und im Groben leicht zu verfolgen, nur der Zugang zu seiner komplizierten und geschädigten Hauptfigur wird nicht leicht gemacht.

Joaquin Phoenix fasziniert mit seiner gewohnt intensiven und brodelnden Präsenz, die Joes Weltschmerz ebenso glaubwürdig verkauft wie seine gefährliche und bedrohliche Seite. Aber auch die gefühlvollen und liebenswerten Züge seiner Figur bringt Phoenix ebenso zur Geltung, wodurch er den Film problemlos mit magnetischer Ausstrahlung trägt. Die abgründige und brutale Welt, die Ramsay hier zeigt, ist sicher keine schöne, dennoch gelingt es ihr durch ihre Inszenierung gewisse verführerische und nahezu poetische Qualitäten aufzubauen. Ihre kunstvolle und auf ihre absolute Essenz reduzierte Vision ist kompromisslos filmisch und voller ungefilterter, sensorischer Eindrücke, womit sie mit Nachdruck zeigt, was Kino bedeuten kann.


Fazit:
Lynne Ramsay gelingt mit „A Beautiful Day“ eine unkonventionelle Variation des Rachethrillers, die im Herzen mehr psychologische Charakterstudie eines traumatisierten Mannes als stumpfe Gewaltfantasie ist. Ramsay minimalistische Vision ist kompromisslos filmisch und als sensorischer, audiovisueller Rausch konzipiert. Kunstvolle, farbintensive Bilder, unterlegt von Jonny Greenwoods treibender Musik werden einer biederen erklärenden Inszenierung vorgezogen, was für den einen Zuschauer aufregend und für den anderen frustrierend sein mag.
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Bilder © Constantin Film