3096 Tage

3096 Tage (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Constantin Film

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3096 Tage Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Natascha Kampusch ist 10 Jahre alt, als sie auf dem Schulweg von dem arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in einen weißen Lieferwagen gezerrt wird. Der Entführer will kein Lösegeld, er will das Mädchen besitzen. Unter seinem Haus in einer bürgerlichen Wohnsiedlung hat Priklopil ein geheimes Verlies ausgehoben, um sie dort einzusperren. Für die nächsten achteinhalb Jahre werden die 2 mal 3 Meter zu Nataschas karger Gefängniszelle: Märchenbücher, Lieblingskekse und Gute-Nacht-Küsse weichen Gewalt, Demütigungen und ständigem Nahrungsentzug. Doch Natascha Kampusch zerbricht nicht in der Gefangenschaft, sondern sie wird stärker. Jeder Tag, jeder Atemzug ein kleiner zorniger Sieg. 2006 gelingt ihr endlich die Flucht, und Wolfgang Priklopil nimmt sich das Leben.

Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt und Amelia Pidgeon | mehr Cast & Crew


3096 Tage - Trailer




DVD und Blu-ray | 3096 Tage

Blu-ray
3096 Tage 3096 Tage
Blu-ray Start:
05.09.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.
DVD
3096 Tage 3096 Tage
DVD Start:
05.09.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 106 min.

Filmkritik 3096 Tage

Filmwertung: | 8/10


Die 1988 in Wien geborene Natascha Maria Kampusch wurde weltbekannt als Opfer der wohl medial spektakulärsten Entführung. 1998 wurde die damals zehnjährige Österreicherin vom arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und exakt 3096 Tage in seinem Haus im Wiener Bezirk Gänserndorf gefangen gehalten, bevor sie 2006 im Alter von 18 Jahren fliehen konnte. "Es war klar, nur einer von uns beiden würde überleben... Und das war ich, letztendlich... Und er nicht." war ihr legendärer Ausspruch nach der Entführung.

Natascha Kampusch (Amelia Pidgeon) wird auf dem Weg zur Schule in Wien von Wolfgang Priklopil (Thure Lindhardt) in einen Lieferwagen gezerrt und entführt. Der Nachrichtentechniker bringt das Mädchen in sein Haus nach Strasshof in Niederösterreich, wo es von ihm achteinhalb Jahre lang in einem kleinen Raum unter der Garage eingesperrt und gefangen gehalten wird. Natascha durchlebt eine von Nahrungsentzug, physische und psychische Gewalt geprägte Zeit. Am Tage 3096 ihrer Gefangenschaft ergreift Natascha (Antonia Campbell-Hughes) eine sich bietende Gelegenheit und flüchtet aus ihrem Martyrium. Ihr Entführer Wolfgang Priklopil nimmt sich das Leben.

Nach dem gleichnamigen Buch von Natascha Kampusch erzählt der Kinofilm "3096 Tage" deren Jahre in Gefangenschaft als komplexes und zwiespältiges Beziehungsgeflecht zwischen Opfer und Täter. Auf der Basis dieses Buches und vieler persönlicher Gespräche erarbeitete der im Januar 2011 verstorbene Bernd Eichinger ein Drehbuchfragment, das Ruth Thoma später nach seinem Tod zu einem fertigen Skript beendete. Trotz anfänglicher Ablehnung übernahm dann Sherry Hormann zu Ehren Eichingers und aufgrund ihrer gewachsenen Überzeugung, die Geschichte als Zwei-Personen-Stück zu erzählen, doch die Regie. Hormann wurde 2009 bekannt durch ihre Regiearbeit in "Wüstenblume" und ist praktischerweise auch mit Michael Ballhaus verheiratet, der sogleich die Kamera übernahm. Da der Stoff vielen Schauspielern zu heikel war, richtete Hormann die Produktion international aus und fand mit den Dänen Thure Lindhardt und Trine Dyrholm sowie den Britinnen Antonia Campbell-Hughes und Amelia Pidgeon hervorragende Akteure. Im Zentrum stehen Lindhardt als Entführer Priklopil und die von Campell-Hughes mit einem charismatischen Method-Acting gespielte 14- bis 18-jährige Kampusch.

Bei der Weltpremiere des Entführungsdramas in Wien verließen viele Zuschauer bedrückt und mit Tränen in den Augen den Kinosaal und dem Thema entsprechend wurde auch auf eine Premierenfeier verzichtet. Die tapfere Natascha Kampusch gab zur Premiere keine Statements ab, war sie doch immer wieder auf Befremdung gestoßen wegen ihrer nüchternen Art, die Dinge zu schildern und ihrer Weigerung, sich in der Opfer-Rolle zu sehen. All denjenigen, die sich nach ihren eigenen moralischen Maßstäben an dem Diktat der angemessen erscheinenden Emotionen beteiligen, steigert Natascha Kampusch mit den von ihr autorisierten und realen Vergewaltigungsszenen, denen sie teilweise nahezu trotzig einen eigenen Lustgewinn abzuringen scheint, noch die Bauchschmerzen. Der unvoreingenommene Zuschauer wird hier eine intelligente und charakterstarke Natascha erkennen, die trotz ihrer debil zweisamen Sozialisierung keinen einzigen Tag aufhört, die Schachfiguren im Spiel um ihr eigenes Überleben geschickt zu verschieben.

"3096 Tage" zeigt eben diese Zeitspanne ganz behutsam und ohne Emotionalisierung als Martyrium, aber auch als in der Situation alternativloses Leben. Den Film als bloßen Psycho-Thriller zu verkonsumieren, würde pervers anmuten, was gleichzeitig für seine große authentische Qualität spricht. Entscheidend ist letztlich aber, dass der Film inhaltlich den Segen Natascha Kampuschs hat und die Leute ihr dafür ihren uneingeschränkten Respekt zollen sollten.
by André Scheede

Bilder © Constantin Film


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