300 Worte Deutsch

300 Worte Deutsch (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

300 Worte Deutsch Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Köln ist für Migranten ein heißes Pflaster geworden, seit der unerbittliche Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) vom Ausländeramt die „illegalen Schmarotzer und Ziegenhirten“ mit Abschiebung bedroht. Erbittert wehrt sich Moschee-Vorsteher Demirkan (Vedat Erincin) gegen die Behördenwillkür, denn er vermittelt jungen Männern Bräute aus der türkischen Heimat – auch wenn die Bescheinigung über deren Deutschkenntnisse gefälscht ist.
Doch selbst Demirkans eigene Tochter Lale (Pegah Ferydoni) rebelliert gegen die traditionelle Heiratsvermittlung des Vaters – sie hat sich an das selbstbestimmte Leben einer Kölner Studentin gewöhnt. Richtig kompliziert wird es, als sie sich ausgerechnet in Sarheimers Neffen und Mitarbeiter Marc (Christoph Letkowski) verliebt ...


Christoph Maria Herbst, Vedat Erincin und Pegah Ferydoni | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | 300 Worte Deutsch

Blu-ray
300 Worte Deutsch 300 Worte Deutsch
Blu-ray Start:
28.08.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 96 min.
DVD
300 Worte Deutsch 300 Worte Deutsch
DVD Start:
28.08.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 92 min.

Filmkritik 300 Worte Deutsch

Filmwertung: | 6/10


Wer als Zuwanderer in Deutschland leben will, muss per Zuwanderergesetz anhand eines Deutschtests seine Sprachkenntnisse nachweisen. Jenem brisanten Thema widmet sich die unterhaltsame Culture-Clash-Komödie „300 Worte Deutsch“ von Züli Aladag („Wut“). Bereits der Titel fasst die Kernaussage des Films zusammen. Die türkischen Migranten der Stadt Köln müssen bei ihrem Sprachtest unter Beweis stellen, dass sie 300 Worte aktiv sprechen und 650 verstehen, um nicht vom Ausländerbeauftragten Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) in den nächsten Flieger gen Heimat gesetzt zu werden. Sein Neffe Marc (Christoph Letkowski) sieht das alles ein wenig lockerer und versucht jeden Fall persönlich zu klären, in dem er sich selbst ein Bild von den Lebensumständen seiner unfreiwilligen „Klienten“ macht.

Die Komödie wirft gekonnt die Klischees und Vorurteile über Türken und Deutschen gleichermaßen auf den Tisch, ohne eine der beiden Parteien abzuwerten. Intoleranz gegenüber der Religion, Tradition und Herkunft werden gegeneinander aufgewogen. Immer wieder geraten Türken und Deutsche mit ihrer festgefahrenen Meinung aneinander und versuchen ihre eigene Mentalität zu behaupten. Moscheevorsteher Hodscha Cengiz Demirkan (Vedat Erincin) organisiert für seine türkischen Mitmenschen eine heimische Brautschau, um die Söhne seiner Freunde mit ehrenwerten türkischen Frauen zu verheiraten. Dass ausgerechnet seine eigene Tochter Lale (Pegah Ferydoni), die in Deutschland aufgewachsen und studiert hat, von den festgefahrenen Traditionen wenig begeistert ist, markiert die Umdenkung der jungen Generation. Und so kämpft die junge Frau nicht nur gegen ihre eigene Familie an, sondern versucht ihr eigenes deutsches Lebensgefühl an die türkischen Bräute weiterzugeben. Nicht nur die deutsche Sprache bringt Lale den schüchternen Frauen bei, sondern animiert sie auch zu Selbstbewusstsein und energischem Auftreten gegenüber ihrer Männer. Die arrangierten Ehen werden dadurch einem Test unterzogen und nicht jede Heirat übersteht den Prüfstand. Humorvoll werden die Auseinandersetzungen innerhalb der Familien ausgetragen. Dabei trifft der Zuschauer gleich auf mehrere Figuren, die durch die Ankunft der Bräute vereint werden sollen. Doch auch, wenn Mann und Frau aus dem gleichen Land stammen, müssen sie nicht zusammen passen, was deutlich bebildert wird. Und so kommt es nicht nur in den türkischen Haushalten, sondern auch auf der Behörde und im Alltag zu einem Auseinanderprallen der Kulturen. Missverständnisse inklusive, leistet die Komödie einen gesellschaftskritischen Beitrag, der humorvoll in Szene gesetzt wird.

Christoph Maria Herbst überzeugt in gewohnt bissiger Art als Behördenmensch, der seine Paragraphen verteidigt, unberührt von den persönlichen Schicksalen, die sich hinter den Namen seiner ausländischen Klienten verbergen. Im Vergleich zu seiner Paraderolle „Stromberg” wirkt Herbst in der Integrations-Komödie sichtlich gezähmt, was der entspannten Grundstimmung des Films zugute kommt. Pegah Ferydoni, die bereits in der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ eine junge Türkin spielte, wird erneut der Rolle gerecht. Im Gegensatz zur Serie schrieben ihr die Drehbuchautoren Ali Samadi Ahadi und Arne Nolting ein modernes Frauenbild auf den Leib. Hin- und hergerissen zwischen ihren türkischen Wurzeln und den deutschen Lebensumständen, kämpft sie für ihre Freiheit und Rechte und distanziert sich zusehends von den Ansichten ihrer Familie. Mutig stellt sie sich gegen die türkischen Männer und versucht dies auch ihren Schülerinnen zu vermitteln. Dass sich die Türkinnen Lale als Vorbild nehmen und den Mut aufbringen, ihren noch unbekannten Männern die Stirn zu bieten, sorgt für unterhaltsame Momente.

Die Geschichte an sich ist recht entspannt und reiht locker die einzelnen Probleme der verschiedenen Figuren aneinander. Da sich der Film an authentischen Schicksalen orientiert, wird das Kinopublikum auf heitere Art für die Lebensumstände der Zuwanderer sensibilisiert. Klischees werden mit Humor genommen und verlieren an Ernsthaftigkeit, weil beide Seiten Abstriche und Zugeständnisse zum Wohle des friedlichen Miteinanders machen müssen. Dass sich am Ende eine Türkin in einen Deutschen verliebt, erklärt sich fast von selbst, rundet die lockere Geschichte aber mit einem genügsamen Happy End ab.

Fazit: Liebenswerte Integrations-Komödie mit stimmiger Besetzung und einer Prise Gesellschaftskritik.

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Bilder © DCM