24 Wochen

24 Wochen (2016), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Neue Visionen

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24 Wochen Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Astrid und Markus stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, ihr Mann und Manager Markus unterstützt sie besonnen und liebevoll. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr Leben aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass das Baby schwer krank ist. Die Diagnose trifft sie wie das blinde Schicksal, das sie auf sich nehmen müssen. Gemeinsam wollen sie lernen, damit umzugehen. Doch während Heilungspläne, Ratschläge und Prognosen auf sie niederprasseln, stößt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Die Suche nach der richtigen Antwort stellt alles in Frage: die Beziehung, den Wunsch nach einem Kind, ein Leben nach Plan. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer erkennen sie, dass nichts und niemand ihnen die Entscheidung abnehmen kann, die eine Entscheidung über Tod und Leben ist.

Julia Jentsch, Bjarne Mädel und Johanna Gastdorf | mehr Cast & Crew


24 Wochen - Trailer




DVD und Blu-ray | 24 Wochen

Blu-ray
24 Wochen 24 Wochen
Blu-ray Start:
31.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
24 Wochen 24 Wochen
DVD Start:
31.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 99 min.

Filmkritik 24 Wochen

Filmwertung: | 7/10


Mit dem Prädikat „der einzige deutsche Beitrag im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale“. Wie bei den anderen deutschen Beiträgen wo-auch-immer (auch der tolle Toni Erdmann neulich) hängt der mediale Anwuchs an dem eigentlichen Film symbiotisch und unzertrennlich dran. 24 Wochen Szenenbild24 Wochen macht es einem schwer. Er will sich als polarisierender und gemäßigt verstörender Beitrag zum Aufleben des deutschen Films verstehen und macht sich auf eine unbescheidene Weise so wichtig, dass man ihn im Gegenzug von sich weisen möchte. Was am meisten ärgert, ist wieder mal der allgemeine Konsens, die wohlwollenden Formulierungen wie „voller Wucht“, „hochmoralisch“ und ähnliches: wie haben Sie das gemacht, Frau Anne Zohra Berrached?

Man wird noch mehrere Male willentlich und unwillentlich hören und lesen werden, dass in 24 Wochen ein großes Tabuthema zur Sprache gebracht wird; dass sich laut Statistik 90 Prozent der Frauen für eine Spätabtreibung entscheiden, wenn bei dem ungeborenen Kind eine Fehlbildung diagnostiziert wird; dass alle Ärzte und Hebammen hier durch echte Ärzte und Hebammen verkörpert sind. Der Film, der ein Gesellschaftstabu verhandelt, ist selbst – wie ironisch – jeder potenziellen Kritik gegenüber quasi unantastbar geworden.

Zu der Geschichte: Astrid Lorenz (Julia Jentsch) ist eine erfolgreiche Kabarettistin, heißt es. Eigentlich ist sie eine TV-Komikerin. Den großen Kreisen der Öffentlichkeit, die offenbar auf Astrids uninspirierten Humor stehen, fällt dank dem figurbetonten Glitzer-Minikleid auf, dass sie schwanger ist. Circa vierter Monat: „Ist euch wat aufgefallen?“. Hinter den Kulissen des deutschen TV-Schrotts, wo uns der Film gern ausführt, raucht Astrid Kette trocken. Wir sehen, dass sie im echten Leben selbstbewusst und stabil ist. Ihr liebenswürdiger Manager Markus (Bjarne Mädel in seiner seriösen Rolle) ist zugleich ihr liebenswürdiger Freund. Es ist früher Morgen. Die beiden haben einen konsensuell guten Sex, der durch das Hereinsausen der süßen frechen blonden Tochter kurz vor dem Höhepunkt unterbrochen wird – Kissenschlacht. 24 Wochen SzenenbildDann die Treppe hinunter, hinaus in den eigenen Garten, hinein in die obligatorische Hängematte. So muss es aussehen, wenn in einer Familie alles prima läuft. Der erste Plot Point folgt unmittelbar darauf: es wird ein Junge, mit einem Down-Syndrom. Der zweite schlägt ungefähr in der Mitte ein, als die Spannung langsam nachzulassen beginnt – ein zusätzlicher Herzfehler wird entdeckt. Echte Ärzte erklären, dass es praktisch zwei Löcher gibt, die man möglicherweise reparieren kann: „einschläfern“, „aufsägen“ und in ähnlichen Worten auf eine medizinisch-realistische Weise weiter.

Wird Astrid abtreiben oder nicht? – das Treffen dieser Entscheidung, die in Wirklichkeit alleine auf der Frau lastet, ist das eigentliche Sujet von 24 Wochen. Darum zieht sich der Vater leinwandpräsenz-mäßig zwischendurch ein wenig zurück, schaut aus dem Fensterdunkel hinunter, wie Astrid ihren Koffer alleine zum Auto schleppt. In das mit Muskelmasse dünn bewachsene Film-Skelett werden im Laufe der Geschichte ab und an Charaktere und kleinere Vorfälle reingeworfen, welche Astrids Entscheidung zu beeinflussen haben. So findet etwa das Kindermädchen Menschen mit Behinderung warum-auch-immer „eklig“. Die blondierte Botox-Oma fragt kauend am Tisch, ob die beiden nicht schon mal überlegt haben, das Kind nicht zu bekommen. Die gewählte dramaturgische Lösung scheint im Ganzen flüssig und schlüssig zu sein, im Detail jedoch voller Verfälschungen. Trotz der bemühten Authentizität und Lebensnähe lässt einen die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass etwas in den Zwischenräumen der Bilder nicht wirklich stimmt. Man nehme die mehrmals vorkommenden Unterwasser-Aufnahmen im Schwimmbad oder die Mutterleib-Bilder, die laut Wikipedia, in dieser Qualität noch nie auf europäischer Leinwand zu sehen waren. 24 Wochen SzenenbildMan nehme die Szene, wo Astrid ihren Kopf ins Wasser eintaucht oder wo sie im Morgengrauen in die Kirche geht, während sie ihrem Freund kurz davor vorwarf, auf einmal die christliche Moral eingeschaltet zu haben. Wie und warum die Figuren das, was sie alleine und miteinander ausmachen, gerade so tun, kann man mit dem Minimum an gegebenen Informationen nicht nachvollziehen. Vielmehr arbeitet der Film sein Sujet in dem Raster an vorgefertigten Symbolen ab, die an einem wie toter Ballast vorüberziehen. Die Gefühle werden – und das ist wieder einmal sehr ärgerlich – so einzig mit der obligatorischen Wackelkamera veräußert. Dieses Gewackel lässt 24 Wochen auf eine Szene zulaufen, in der man zwischen die Beine von Julia Jentsch beinahe zu weit sehen kann. Auf diese Weise dem Zuschauer nahezubringen, was für eine Frau zumutbar ist und was nicht, ist als Strategie durchaus bewährt und legitim, reicht aber bei Weitem nicht aus, um als ästhetisch-ethisches Wagnis durchzugehen. Halt auf freier Strecke (2011) von Andreas Dresen, der ähnlich medizinisch-plausibel und mit echten Ärzten den Fall eines Hirntumor-Kranken darstellte, war im und ohne Vergleich um so vieles besser.


Fazit:
Ein Film, der sehr körperlich wirkt, der vielen gefallen und hoffentlich auch genauso vielen missfallen wird. Ein Film, den man vielleicht auch sehen sollte, um zu sehen, was an ihm alles nicht stimmt. Und ein Film, den man nach dem Schauen erstmal sacken lassen muss – so lautet zumindest die Gebrauchsanweisung.
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Bilder © Neue Visionen