17 Mädchen

17 filles (2011), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Arsenal

17 Mädchen Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

In Lorient, einer Stadt in der Bretagne, schließen 17 Mädchen eines Gymnasiums einen ungewöhnlichen Pakt: Entgegen allen Widrigkeiten und dem Unverständnis von Eltern, Lehrern und den jungen Vätern zum Trotz werden Camille und ihre Freundinnen gleichzeitig schwanger.

Louise Grinberg, Juliette Darche und Roxane Durane | mehr Cast & Crew


Filmkritik 17 Mädchen

Filmwertung: | 7/10


Wenn man jung ist, liegt einem die Welt zu Füßen. Man kann sein Leben selbst in die Hand nehmen und nach seinen Vorstellungen formen. Aber, wenn man fernab jeder Zukunftsperspektiven lebt, tut man auch scheinbar Unglaubliches, um der Aussichtslosigkeit des Lebens zu entfliehen.

Die Regisseurinnen Delphine und Muriel Coulin nehmen sich ein unglaubliches Ereignis zu Herzen, dass sich im Jahr 2008 an einer Highschool in Massachusetts ereignete. Dem dortigen Gerücht zufolge wurden 18 Mädchen zur selben Zeit schwanger. Die Coulins adaptieren dieses Gerücht in die Stadt Lorient in der Bretagne, wo 17 Mädchen einen Pakt schließen, nachdem sie gemeinsam schwanger werden wollen. In der zerstörten Hafenstadt, die seit dem 2. Weltkrieg darauf hofft, sich von der nachhaltigen Krise zu erholen, besitzen die Jugendlichen keine Perspektiven mehr. Nach der vorskizzierten Zukunft aus Schule, einer schlecht bezahlten Anstellung und der Flucht in der frühen und kinderreichen Ehe scheinen ihre Mittel begrenzt. Umso verlockender scheint der Wunsch aus den festgefahrenen Lebensbahnen auszubrechen und das Leben anders als die eigenen Eltern zu gestalten. So beschließen die 17 Mädchen gemeinsam schwanger zu werden und ihren Leben dadurch einen Sinn zu geben. Durch das gemeinsame Vorhaben bekommen sie Beachtung und haben erstmals das Gefühl für ihr eigenes Leben verantwortlich zu sein. So wird jede der 17 Mädchen auf die schnellstmögliche Art schwanger. In scheinbar trauter Gemeinsamkeit werden Zukunftspläne geschmiedet, in der alle füreinander Verantwortung übernehmen und sich dadurch zu unterstützen. Die Mädchen wachsen zu einer großen Familie zusammen, in der Außenstehende ihnen nichts mehr antun können. Die Regisseurinnen inszenieren ihr Drama mit einer beeindruckenden Authentizität. Die Handlung wird durch die Treffen der Mädchen und ihre gemeinsamen Träume von einer besseren Zukunft getragen. Zwischenzeitlich werden die Ansichten der übrigen Jugendlichen in der kargen Kulisse eingeflochten, um immer wieder auf die Ausweglosigkeit der Generation hinzuweisen. Der auf einer ähnlichen Begebenheit basierende Film regt zum Nachdenken an. Der Zuschauer kann anfangs das Szenario noch als unvorstellbar abtun. Doch im Laufe der Handlung beginnt er zu verstehen, wie der Wunsch nach einer besseren Zukunft in den Mädchen reift. Welches Gefühl der Zusammengehörigkeit der Pakt darstellt und was die gerade in die Pubertät gekommenen Frauen dazu veranlasst, sich ohne Gedanken auf Nebenwirkungen oder Ängste, auf das unglaubliche Vorhaben einer Massenschwangerschaft einzulassen. Zum Ende des Films hin versäumt es das Regisseurinnen-Duo jedoch das Leben nach der Geburt der nächsten Generation in den Fokus zu stellen. Die Anführerin der Mädchen wird nach einer Fehlgeburt aus dem Fokus entfernt. Der Zuschauer bleibt hier im Unklaren, ob das Mädchen auch ohne eigenem Kind den Weg in eine sichere Zukunft gefunden haben mag. Bei ihren Freundinnen lässt sich am Ende des Films der Ausgang ihrer Situation erkennen und der entspricht bei weitem leider nicht ihren Vorstellungen.

Fazit: Einfühlsames und zum Nachdenken anregendes Generationsdrama.

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Bilder © Arsenal