127 Hours

127 Hours (2010), USA / Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Abenteuer / Drama / Biographie
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

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127 Hours Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

127 Hours ist die wahre Geschichte des Abenteurers und Kletterers Aron Ralston (James Franco), der während einer Tour durch den Bluejohn Canyon Utahs in eine dramatische Situation gerät. Sein Arm wird bei einer Kletterpartie von einem gelösten Felsbrocken in einer isolierten Felsschlucht eingeklemmt. Aron ist allein und hat niemandem eine Nachricht hinterlassen, wo er im Canyon unterwegs ist. Fünf Tage lang hofft er und versucht alles, um sich zu befreien, bis er schließlich erkennt, dass er all seinen Mut zusammen nehmen muss, da er nur eine Wahl hat... Während diesen 127 Stunden ruft sich Ralston seine Familie, seine Freunde und die zwei Wanderer (Amber Tamblyn und Kate Mara), die er kurz vor seinem Unfall traf, ins Gedächtnis. Werden sie die letzten zwei Menschen in seinem Lebens sein, die er traf?

James Franco, Kate Mara und Amber Tamblyn | mehr Cast & Crew


127 Hours - Trailer


127 HOURS - Trailer (Full-HD) - Deutsch / German


DVD und Blu-ray | 127 Hours

Blu-ray
127 Hours 127 Hours
Blu-ray Start:
29.07.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 94 min.
127 Hours - Cine Project 127 Hours - Cine Project
Blu-ray Start:
03.02.2012
FSK: 12 - Laufzeit: 94 min.
DVD
127 Hours 127 Hours
DVD Start:
29.07.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik
127 Hours - Cine Project 127 Hours - Cine Project
DVD Start:
03.02.2012
FSK: 12 - Laufzeit: 90 min.

Filmkritik 127 Hours

Filmwertung: | 7/10


Danny Boyles neuster Streich fängt das Publikum von Anfang an ein, mit lauter, schneller Musik, vielen Schnitten und einem dreiteiligen Splitscreen illustriert der Regisseur die aufgeladene Stimmung des Protagonisten, der seine Ausrüstung zusammenpackt und in die Wildnis aufbricht. Erst dort, wenn Aron Ralston (gespielt von James Franco) mitten im Nirgendwo auf einem Felsblock steht und tief durchatmet, herrscht plötzlich Stille; Ralston ist in seinem Element, kann seine Energie den Höhen und Schluchten der Canyons widmen und kommt gleichzeitig innerlich zur Ruhe. Zusammen mit Ralston kann der Zuschauer die Stille und Einsamkeit genießen, die wunderschöne Landschaft, die Grundstimmung, die es ermöglicht, sich von allem frei zu machen – keine Autos, keine nervenden Mitmenschen, kein klingelndes Handy; alles hat der Mann zurückgelassen.

Doch mit der Stille ist es vorbei, als etwas laut unter Ralston wegbricht und dieser kurz darauf in einer Schlucht liegt, während sein rechter Arm unter einem immensen Steinbrocken zerquetscht ist und ihn bewegungsunfähig macht. Die Situation ist also im Grunde sehr simpel, doch Boyle macht von vorneherein klar, dass es kein Entkommen gibt, Ralston befindet sich in einer endgültigen Lage. Dieser Existenzialismus macht den Reiz des Kammerspiels aus, das Hier und Jetzt in der unnachgiebigen Natur. Wasser und Nahrung bedeuten Leben, doch der reine Selbsterhalt erfordert auch einen klaren Kopf. Ersteres geht rasch zur Neige, dennoch ist Ralston immer Herr der Lage, stemmt sich im wahrsten Sinne des Wortes gegen sein Schicksal. Nach und nach schwinden die Kräfte und der Protagonist beginnt, an Freunde und Familie zu denken und sich zu erinnern, was Boyle mit halluzinösen Bildcollagen gekonnt in Szene setzt. Bei aller gestalterischen Geschicklichkeit scheint dies allerdings ein Zugeständnis an den Teil des Publikums zu sein, der die reine Unterhaltung sucht, denn die Erinnerungssequenzen verdrängen gerade im Mittelteil zunehmend den eigentlichen Ort der Handlung, nehmen dem Film das Unbequeme, die Wucht, also einen essentiellen Teil der Geschichte. Hier wäre eine konsequentere Inszenierung wünschenswert gewesen.

Dass 127 Hours trotzdem zu keinem Zeitpunkt einen Abfall der Dichte aufweist begründet sich durch das Spiel von James Franco, der seine Figur recht ambivalent gestaltet und jederzeit glaubhaft ist. Schön sind auch die kleinen humoristischen Spitzen im Drehbuch: In einer der schönsten Einzelszenen imitiert Ralston eine Morgensendung, in der er gleichzeitig drei Personen verkörpert und sich selbst interviewt und dabei gehörig auf die Schippe nimmt.

Wie bereits zu Beginn angedeutet, ist das Audiodesign äußerst gelungen. Dabei ist es weniger der Score, der eher subtil daherkommt, sondern die einzelnen Effekte, die anfangs die Gewalt der Natur unterstreichen und im letzten Drittel die körperlichen Schmerzen unterlegen und mitfühlen lassen. In diesen Minuten der Selbstmarterung schafft es Boyle dann, das Martyrium der Figur an das Publikum weiterzugeben. Gerade weil er dabei drastische Bilder zeigt, ohne plakativ zu werden, geht der letzte Versuch der Befreiung unter die Haut.

Insgesamt ist 127 Hours also ein guter Film geworden. Die zweifellos schwierig konstant zu haltende Dramaturgie ist ein Malus, den Atmosphäre, Hauptdarsteller und Sounddesign auswetzen können, weshalb Boyles Werk durchgehend unterhaltsam ist. Ganz großes Kino ist es aber gerade deshalb nicht geworden, da durch das bildliche Ausweichen auf die Gedanken des Protagonisten die existenzialistische Wucht verloren geht.
by Tom Schünemann

Bilder © 20th Century Fox